Syrien ist so nah

Achmed Assun und sein Bruder Hassan

Wie habe ich sie kennengelernt? Sie waren gerade wenige Tage mit ihrem Vater in Cunnersdorf im Asylbewerberheim angekommen.
Ich traf sie im einzigen vietnamesischen Obstgeschäft in Königstein. Ich war beim Einkauf fürs Weihnachtsfest. Sie standen hilflos im Geschäft und so kamen wir ins „Gespräch“. Ich kannte noch einen Satz auf Arabisch von meinem Aufenthalt in Palästina. Und sie verstanden mich. Die Freude war groß. So kauften wir zusammen ein und ich fragte sie wie sie in das abgelegene Cunnersdorf  kommenund bot ihnen an sie dorthin zu fahren. Ich schenkte ihnen eine Kerze mit meinem Namen zur Erinnerung. Daraufhin schenkten sie mir ebenfalls eine Kerze mit ihren Namen und luden mich ein sie zu besuchen. Ich versprach ihnen, ich komme.
In Absprache mit dem Heimleiter habe ich sie besucht, habe Sachen zum Anziehen für sie und ihren Vater mitgebracht. Nach Weihnachten waren sie Gast in meinem Haus. Wir haben zusammen gegessen, arabisch und deutsch gelernt und Gitarre gespielt. Achmed wollte es auch versuchen. So verging der Tag sehr schnell und ich habe sie wieder „nach Hause“ gefahren.  Bevor wir abfuhren sah Achmed noch mein Fahrrad stehen, er sagte so eins möchte er auch gern haben.
Nun habe ich überlegt, wo bekomme ich ein Fahrrad her, meins war ja ein Damenfahrrad. So kam mir ein Freund und Kollege von der AWO zur Hilfe. Er sagte, er hat noch ein Mountainbike im Keller. Er schenkte es mir. Und so fuhr ich mit meinen kleinen Ford KA und dem Fahrrad zu den Jungs. Sie freuten sich so sehr und waren überrascht und haben mir gedankt, auch schon etwas in deutscher Sprache.
Jetzt im Februar hat unsere Asyl-Gruppe ein Begegnungs-Café für Flüchtlinge in Königstein mit vorbereitet. Wir haben alle Flüchtlinge zum Kommen eingeladen. Es kamen über 35 syrische, indische und pakistanische Flüchtlingsfamilien und Einzelpersonen, sowie 30 Einheimische. Auch meine beiden Jungs waren eingeladen. Es kam zu wunderbaren Begegnungen in einer warmen Atmosphäre. Der Bürgermeister war auch anwesend. Ich durfte mit drei Liedern zur Gitarre die Veranstaltung eröffnen und einige Worten in Arabisch sagen. Den anwesenden Menschen hat es sehr gefallen und es werden weitere Begegnungen folgen.
Regina Albani
Engagement mit (AWO) Herz
Die Unterstützung anderer kann auch eigenes Leben bereichern

Seit ca. 2 Jahren betreuen wir junge Männer aus Irak, Pakistan, Afghanistan, die in Heidenau in einer Flüchtlingsunterkunft untergebracht sind. Wir sind seitdem „Mama“ und „Papa“ für sie, und sie sind unsere „Jungs“.
Einige von ihnen begleiteten uns, auf unsere Einladung hin, zu den Friedensgebeten in Heidenau. In der Adventszeit haben wir mit ungefähr 20 von ihnen im ehemaligen Gästehaus vom „Sachseneck“ zusammen gefeiert, mit Lebkuchen und Stollen aus unseren  AWO-Weihnachtstüten, mit Spekulatius, Glühwein und Punsch für die Moslems.
Damals erfuhren wir, dass einer von ihnen, Hadi, ein Kurde aus dem Irak, deshalb nicht zu unserer Feier kommen konnte, weil er dabei war, sich in einer kleinen Wohnung auf dem Sonnenstein in Pirna einzurichten. Natürlich haben wir ihn gleich besucht, um zu schauen, was er für seinen Haushalt benötigt. Da die Wohnung, bis auf eine Matratze, auf der er schlief, so gut wie leer war, konnte er praktisch alles gebrauchen. Wir brachten ihm Tisch und Stühle aus unserem Garten, Geschirr, Besteck und andere Haushaltsgegenstände. Wir halfen ihm, eine gebrauchte Küche zu kaufen - Geld hatte er ja vom Job-Center als Starthilfe für die Wohnungseinrichtung bekommen. Nachbarn aus dem Haus besorgten ihm eine Couch und 2 Sessel. Ein ordentlicher Kleiderschrank fand sich auf dem Sperrmüll. Nach einigem Suchen fanden wir gemeinsam eine geeignete Waschmaschine. Jedes Mal, wenn wir ihn besuchten, lud er uns ein zum Tee- und Kaffeetrinken. Ein paar Mal haben wir gemeinsam gekocht und zusammen gegessen.
Immer wieder sprach er davon, seine Familie, Frau und 4 Kinder im Alter von 1 ½ bis 9 Jahren aus dem Irak nachkommen zu lassen. Daher wollte er außer den benötigten Matratzen weiter keine Möbel kaufen, erst dann, wenn die Familie kommt und sie in eine größere Wohnung ziehen können. Und im Februar war es dann soweit, er konnte seine Familie in München abholen! Freudig rief er uns an, und stellte uns seine Familie vor.
Solange seine Familie noch nicht da war, ist er schon einige Male mit uns in die Kirche gegangen. Als sie nun hier in Pirna waren, begleitete er uns mit seinem ältesten Sohn zum Gottesdienst in unser Gemeindezentrum. Bei dieser Gelegenheit lud er uns im März zum Kindergeburtstag seiner 7-jährigen Tochter ein.
Als wir die kleine Wohnung betraten, war die Überraschung riesengroß: Auf dem Fußboden war eine große Tischdecke ausgebreitet, auf der Torten, Kuchen, Obst und Getränke standen. Und das Schönste, alle seine früheren Mitbewohner aus Heidenau waren auch gekommen, saßen am Boden auf den Matratzen und begrüßten „Mama“ und „Papa“ mit lautem „Hallo“ und „Wie geht es Euch“. Und zum gemeinsamen Essen waren wir auch noch geladen. Eine wunderschöne Geste der Gastfreundschaft!
Und noch einiges Erfreuliches:
Unsere Gartenhelferin aus Afghanistan zieht Ende März mit ihrer Tochter, den Enkelkindern (deren Eltern in Afghanistan umgebracht wurden), ihrem Sohn und seiner Frau in eine große Wohnung nach Pirna-Copitz. Der Junge bekam durch die AWO-Zuckertüten-Aktion seinen Schulranzen zum Schuleingang.
Die Familie aus Syrien, die wir dank Peter Kettler‘s Hilfe mit Möbeln u.a. aus einer Wohnungsauflösung versorgen konnten, sind im Herbst 2014 auf dem Sonnenstein ein paar Häuser weiter gezogen. Er ist Koch und arbeitet jetzt in einem arabischen Restaurant in Dresden.
Auch wenn es z.B. aufgrund der Sprachbarrieren manchmal etwas schwierig ist, aber es kommt immer etwas zurück. Wir haben nette Menschen kennengelernt. Wir haben so viel    Gastfreundschaft erfahren. Und das bereichert auch unser Leben!

C. und H. Bialluch
Liebe Leserinnen und Leser, (Leser unserer Mitgliederzeitung)

in dieser Ausgabe wollen wir uns mit der Flüchtlingsproblematik befassen. Wir als AWO sorgen uns im Landkreis SOE besonders um unbegleitete junge Asylbewerber. Hier möchte ich zeigen, wie viel Aufwand und Risiko nötigt ist, um einen Betreuungsauftrag zu erhalten und habe eine grobe Zusammenstellung  der Aufgaben gewagt.

Die AWO wurde, wie alle freien Träger der Wohlfahrtspflege, zur Mitarbeit bei der Betreuung der im vergangenen Jahr stark gestiegenen Zahl aus ihrer Heimat geflüchteten Menschen aufgefordert. Die AWO hat in unserem Landkreis keine Kapazitäten zur Übernahme von Erstaufnahmeeinrichtungen, aber mit unseren gut qualifizierten Mitarbeitern in der AWO Jugend - und Familienhilfe gGmbH Möglichkeiten, um von Erwachsenen unbegleitete junge Asylbewerber (UmA) zu betreuen. Für die Unterbringung, Versorgung und Betreuung von Kindern und Jugendlichen sind vom Gesetzgeber strenge Regeln vorgegeben.

Die Definition der Unterkunft  ist geregelt: Klassische Heime wie unser AWO Wohnheim in Neustadt als institutionell organisierte gebäu¬debezogene Lebensorte außerhalb der Familie (heißt tatsächlich so!) fallen hierunter. Sie sind gekennzeichnet durch Gruppen „nicht miteinander verwandter Kinder und Jugendlicher“, die durch Fachpersonal betreut wer¬den, das in keinem Verwandtenverhältnis zu ihnen steht. Hinzu treten sonstige betreute Wohnformen, die sich neben der Heimerziehung als alternative stationäre Angebotsformen entwickelt haben. Hierunter fallen betreute selbständige Wohngemeinschaften und betreutes Einzelwohnen. Als Beispiel ist eine Wohnung mit vier Jugendlichen auf der Maxim- Gorki- Str. in Pirna oder mit sechs Jugendlichen auf dem Sonnenstein, die von der AWO betreut werden, zu erwähnen.
Der Gesetzgeber hat gewisse Vorstellungen, wer den Betreuungsauftrag bekommen sollte und wie oben schon erwähnt, dass auch gleich definiert:
Die dargestellten Angebotsformen werden vorrangig durch Träger der freien Jugendhilfe, z.B. AWO, Diakonie, Rotes Kreuz bzw. Privatpersonen in Gestalt von Pflegefamilien vorgehalten. Der Begriff „Träger der freien Jugendhilfe“ beinhaltet in der Regel gemeinnützig tätige Vereine. Häufigste Organisationsformen sind der eingetragene Verein und die gGmbH. In den letzten Jahren ist der Markt aber auch gewerblich tätigen Anbietern geöffnet worden, für uns freie Träger nicht zu unterschätzende Wettbewerber.

In der Kinder- und Jugendhilfe gilt das Subsidiaritätsprinzip. Soweit geeignete Einrichtungen und Dienste durch freie Träger der Jugendhilfe vorgehalten werden, sollen öffentliche Träger auf entsprechende Angebote verzichten. Das Vorhalten entsprechen¬der stationärer Betreuungsplätze unterliegt folglich dem alleinigen unternehmerischen Risiko freier Träger, die perspektivisch auf eine ausgelastete Einrichtung bauen müssen, damit sich das „Produkt“ amortisiert. Inwieweit dieses unternehmerische Risiko durch Vorhaltepauscha¬len zumindest teilweise ausgeglichen werden sollte, bleibt nach Meinung des zuständigen Ministeriums einer späteren Fachdiskussion vorbehalten.

Will die AWO sich als Träger von Einrichtungen bewerben, braucht sie dafür eine Betriebserlaubnis. Betriebserlaubnisbehörde ist das Sächsi¬sche Landesjugendamt in Chemnitz, organisatorisch geführt als Fachreferat des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz (SMS).
Als nächstes stehen die Anträge auf Fördermittel an. Die Richtlinie des SMS zur För¬derung von Investitionen für Jugendhilfeeinrichtungen bietet die Grundla¬ge für Zuwendungen insbesondere für Sanierungen, Um- und Erweiterungsbauten von Ein¬richtungen der Jugendhilfe. Gemäß der Förderrichtlinie haben sich die Zuwendungsempfänger mit Eigenmitteln in Höhe von mindestens 10 % der zuwendungsfähigen Ausgaben zu beteiligen. Das kann zu größeren Belastungen der Träger führen.  Es müssen daher Ausnahmegenehmigungen seitens des SMS für dieses Förderprogramm erteilt werden, so dass im Ergebnis ein Finanzierungsan¬teil von bis zu 100% der zuwendungsfähigen Ausgaben möglich sind. Zu überdenken sind auch die Zweckbindungsfristen, damit die Träger nicht durch zurzeit unabschätzbare Zweckbindungsfristen belastet werden.

Jetzt noch kurz einen Blick über die Kreisgrenzen hinweg auf die Kosten bei der Schaffung von neuen,  dauerhaften Kapazitäten von 1308 geplanten Betreuungsplätzen im Kalenderjahr 2016 für Sachsen, um die Größenordnung zu überschauen. Allgemeiner Fachstandard bzgl. des Raumangebots pro Platz einschließlich anteiliger Ge¬meinschaftsflächen beträgt durchschnittlich nicht mehr als 30 qm für Hilfen nach SGB VIII. Legt man 22,75 qm zugrunde, lässt sich ein durchschnittlicher Investitionsbedarf pro Platz in Höhe von 40.000,- € ermitteln. 22,75 qm Grundfläche incl. Anteil an Gemeinschaftsflächen entsprächen den Vorgaben für den Betrieb von Ju¬gendhilfeeinrichtungen. Es besteht also ein Gesamtinvestitionsbedarf in Höhe von 52.320.000,- € (1308 Plätze x 40.000,- €).

Das sind erhebliche Summen, die sich, wenn wir uns als Gesellschaft bei der Integration der minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen von Anfang an den Blick auch auf eine fundierte Schulausbildung und eine berufliche Qualifikati¬on richten, lohnen sollten Erfahrungsberichte aus anderen Bundeslän¬dern lassen folgende zentrale Herausforderungen erkennen :
- Aufgrund der Krieg- und Bürgerkriegserfahrungen sowie der schwierigen sozialen Situation in den Herkunftsländern bestehen keine oder nur unzureichende Schulbiographien, die da¬rüber hinaus nicht belegbar sind.
- Die Schulsysteme sind nicht vergleichbar. Der Bildungsstand ist trotz Schulbesuchs mit unseren Standards nicht identisch. Viele unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sind integrations- und lernbereit, haben aber aufgrund unzureichender Deutschkenntnisse praktische Probleme.
- Viele unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sind traumatisiert und haben folglich einen sehr hohen Förderbedarf.
Das heißt, die schulische Integration ist eine Pflichtaufgabe aller Schularten und Schulen und das Sächsisches Staatsministerium für Kultus hat hier gut zu tun..
Aber zurück zur AWO .Mit der Übernahme der Betreuung mussten Konzepte und Aufgabenstellung erarbeitet werden, Personal geschult.
Das Ziel: Integration in die Aufnahmegesellschaft und Führen eines selbstbestimmten Lebens in Deutschland.
Die Inhalte u.a.:
•Erlernen der deutschen Sprache in Wort und Schrift
•Umgang mit den zur Verfügung stehenden Finanzen
•Gestaltung einer sinnvollen und altersgemäßen Alltagsstruktur
•selbständige Haushaltführung
•Integration in Bildungsprozesse und Gestaltung der zukünftigen Lebensperspektiven
•Erlernen und Ausübung bürgerlicher, demokratischer Grundrechte und  Pflichten
•Teilnahme an Freizeitangeboten und kulturellen Veranstaltungen
Für unsere gut qualifizierten Mitarbeiter alles Gute für diese anspruchsvolle Aufgaben.

Peter Kettler




Unbegleitete Kinder und Jugendliche im AWO Kinder- und Jugendhaus Neustadt

Sie wollen so schnell wie möglich die deutsch Sprach lernen

In unserer Einrichtung leben insgesamt 21 Kinder und Ju¬gendliche mit verschiedensten Problemlagen. Wir bieten flexible Hilfen zur Erziehung, Hilfen für junge Menschen in besonders schwierigen Lebenslagen und Jugendsozial¬arbeit an. Seit zwei Jahren befinden sich unter unseren Bewohnerinnen und Bewohner des Heimes auch unbe¬gleitete minderjährige Ausländerinnen und Ausländer (UMA). Von Januar bis Oktober 2015 nahmen wir insgesamt 17 unbegleitete ausländische Kinder und Jugendliche auf. Sie kamen aus Syrien, Irak, Albanien und Afghanistan. Sie haben ihre Angehörigen im Krieg oder während der Flucht verloren oder wurden von ihren Familien ohne sorgeberechtigte Begleitung nach Deutschland geschickt. Gegen¬wärtig betreuen wir sieben Jungen zwischen 13 und 17 Jah¬ren. Alle sieben konnten bereits in eine Mittelschule integriert werden. Drei von ihnen lernen in einer ihrer Altersstufe und ihrem Leistungsstand entsprechenden Klasse, vier besuchen eine DAZ-Klasse.
Ressourcenorientierte Arbeitsweise steht in unserem Haus im Mittelpunkt aller Hilfeprozesse. Das heißt, unser Fokus richtet sich nicht auf die Defizite, sondern auf die Ressour¬cen und die eigenen Lösungsideen der Kinder und Jugend¬lichen. Auch unsere UMAs sind in diesem Sinne Experten in eigener Sache: Sie wollen so schnell wie möglich die deut¬sche Sprache erlernen und sie wollen zur Schule gehen. Das berichten sie stolz auch ihren daheim gebliebenen Familien. Wichtig für sie sind der regelmäßige Kontakt, so¬fern möglich, zu ihren Eltern oder anderen Verwandten sowie die Integration in Schule und Freizeitangebote. Sportliche Aktivitäten interessieren sie besonders. Wir bringen eine Alltagsstruktur in ihr Leben, schaffen ihnen auch Rückzugsmöglichkeiten und unterstützen sie bei der Aufarbeitung der Strapazen ihrer oft Monate währenden gefährlichen Flucht sowie ihrer schlimmen Erfahrungen in den heimatlichen Kriegsgebieten. Diese Arbeit wird durch unsere Traumapädagogin und einen im Ort ansässigen Psychologen unterstützt. Unsere Konzeption gibt uns im Hinblick auf die Schaffung positiver Erfahrungen großen Spielraum: Erlebnispädagogik als eine besonders hand¬lungsorientierte Methode, die wir in unserer Einrichtung gestalten und weiterentwickeln. Unsere erlebnispädago¬gischen Angebote werden auch von den ausländischen Kindern und Jugendlichen sehr gut angenommen und för¬dern ihre Beziehungen innerhalb der Gruppe. Unsere Ar¬beit zielt darauf, sie auf ein eigenständiges Leben und auf die Integration in Ausbildung und Arbeit vorzubereiten.


AWO Kinder- und Jugendhaus Neustadt
Heinrich-Heine-Straße 15
01844 Neustadt in Sachsen
Telefon 03596 509548
info23@awo-kiju.de
Ansprechpartner
Birgit Ebert, Einrichtungsleiterin

Sport verbindet

In der Begegnung kann man vieles bewegen und verändern.

Was verbindet die Jugendlichen Weltweit miteinander? Oft ist das Fußball oder eine andere Sportart, z.B. eine Freizeitbeschäftigung wie das Klettern. Dabei ist es egal, ob man teure Sportausrüstung trägt, oder in ganz normalen Alltagssachen diese Sportart ausübt. Seit November sind in der AWO Einrichtung in Pirna unbegleitete Jugendliche in WG´s untergebracht, die bis dahin noch in der Ersteinrichtung in Obhutnahme gewesen sind und jetzt hier schulisch wie beruflich integriert werden sollen. Viele von ihnen spielen gerne Fußball und machen andere Sachen, welche auch unsere deutschen Jugendlichen gern in ihrer Freizeit machen möchten. Da ich mich schon seit langem in der AG Asylsuchende in Pirna engagiert habe, wollte ich, dass auch die Jugendlichen nicht nur unter sich bleiben, sondern raus gehen und sich mit den Sachen beschäftigen, welche sie vielleicht nur bis dahin im Fernsehen gesehen haben oder davon nur träumten. Das man als junger  Erwachsener z.B. in der Freizeit Sport treiben kann ohne Angst zu haben, dass der Vater jetzt meine Arbeitskraft braucht, kannten viele so gar nicht. Oder das es da eine gewisse Professionalität gibt, wie aufwärmen, regelmäßig üben und sich verbindlich zeigen, war manchen auch neu. Der Sport lenkt nicht nur von den kleinen und großen Sorgen ab, sondern er verbindet ja auch die verschiedenen Menschen über Kulturgrenzen hinaus. Wenn das Runde in das Eckige soll, dann ist das in Afghanistan wie auch in Deutschland so. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass die Jungs gerne mit den deutschen Jungs mehr machen würden, und sich gerne nicht nur messen möchten, sondern auch Freundschaften knüpfen wollen. Und über die Sozialen Medien gelingt das ja auch ein Stück  weit. Es wird auf dem Fußballfeld  gespielt und danach verabredet man sich. Einmal waren wir z.B. im Sebnitzer Gymnasium auf einer Podiumsdiskussion über die Fluchtursachen und die Erlebnisse der geflüchteten Menschen. Die 4 Jungs, welche ich mit hatte, waren einer harten Fragerunde ausgesetzt, welche sie aber ehrlich und offen beantworteten. Sie haben über ihre Ängste und Zukunftswünsche gesprochen. Am meisten hat der Mut dieser Jugendlichen, ihr unsicheres Land auf eigene Faust zu verlassen und eine bessere Zukunft zu suchen, Applaus verdient. Da trafen nicht nur junge Menschen verschiedener Kulturen auf einander, sondern auch verschiedene Denkmentalitäten: Auf der einen Seite die in Geborgenheit und Wohlstand aufgewachsenen und auf der anderen Menschen welche nichts zu verlieren haben, sondern mit Fleiß beim Sprachenlernen und neuen Chancen auf Ausbildung nur gewinnen können. Der Preis dafür ist mit Sicherheit sehr hoch: Die Eltern und die Geschwister sind sehr weit weg und es wird vielleicht Jahre dauern, bis sie mit der Ausbildung in Deutschland fertig werden und sich wieder sehen können. Deswegen tragen die Betreuer und die ehrenamtlichen Helfer stets eine hohe Verantwortung, die Verbindung nach Hause zu unterstützen und ein verlässlicher Ansprechpartner zu sein. Es ist deshalb schön zu sehen, wie den Verantwortlichen dafür Respekt und Dankbarkeit gezeigt wird, dass man eine Art Familienersatz geworden ist; man ist Teil der Familie. Den vielen ehrenamtlichen Helfern ist zu danken, dass sie mit den Jungs Sport treiben und sie so nehmen wie sie sind. Und da es niemals zu viele Helfer geben kann, möchte ich auch dich lieber Leser, an dieser Stelle ermutigen, etwas mit den neuen Nachbarn zu unternehmen. Es muss nicht unbedingt der Fußball sein. Ein Ausflug ins Grüne oder ein Spaziergang in die Stadt auf ein Eis kann auch schon sehr viel Freude auf beiden Seiten auslösen. Wenn man in diesen jungen Leuten ein Potenzial erkennt das uns bereichern kann, dann wird man nicht gleichgültig bleiben und nur Ängste schüren. In der Begegnung kann man vieles bewegen und verändern.

Dimitri Mierau (Fachkraft der AWO in Pirna seit November 2015)
Stiftung Lichtblick bei Durchführung der Aktion Zuckertüte mit im Boot

Wie bereits im vergangenen Jahr, hat sich die Aktion Lichtblick finanziell an unserer Aktion Zuckertüte beteiligt. In diesem Jahr waren es gleich 750,- €, die uns überwiesen wurden.
Die Übergabe der Schulranzen und Zuckertüten erfolgte im AWO- Heim für behinderte Kinder und Jugendliche in Pirna. 15 bedürftige Familien konnte wieder geholfen werden. Die Leiterin der Einrichtung, Frau Oddoy, hat uns gemeinsam mit ihren Jugendlichen beim Buffet geholfen und anschließend wieder alles aufgeräumt. Einen Dank an Frau Lindemann von der AWO KIJU, sie hat uns die Zuckertüten samt Inhalt beschafft und alles liebevoll verpackt. Die Teilnehmer haben sich alle bedankt und scheinen zufrieden gewesen sein, es macht doch einiges an Arbeit, und so freuen sich die Organisatoren über ein kleines, aber herzliches, Dankeschön.
Fahrt in den Frühling

Wenn es ihn nicht gäbe - 
dann müsste es ein anderer machen, wird mancher denken der mit organisieren nichts am Hut hat. Aber haben wir jemanden im Blick, der so viel Herz `reinsteckt? Es ist Helmut Hauswald gemeint. Helmut hat sich von stressigen Aufgaben etwas zurückgezogen (er ist keine 30 mehr), aber die Seniorenbetreuung und Weihnachtsfeier will er nicht missen. In diesem Frühjahr sollte es in das Osterzgebirge gehen, ein Ziel war schnell ausgemacht - Talsperre Malter. Das Busunternehmen, mit dem Frau Ebert und ihre Seniorengruppe vom AWO OV Schöna schon gute Erfahrungen gemacht hat, war mit zwei e- Mails schnell engagiert  und die Gaststätte zum Kaffee herausgesucht worden. Da Helmut noch offline ist, muss er immer Bialluch´s oder Peter Kettler fragen, ob die Gaststätte überhaupt noch besteht. Hatten wir tatsächlich schon, dass im letzten Augenblick der Gasthof geschlossen wurde. Eingeladen wird jeder, der die 75 überschritten hat. Jüngere wie Horst Bialluch, fahren als begleitende Hilfspersonen mit. In den Bus passen 27 Personen und da wir nicht mehr Senioren haben, braucht auch keiner zurückbleiben. Der Wettergott hat es gut gemeint. Nachdem es vorher tagelang regnerisch war, schaute gleich früh die Sonne hinter den abziehenden Wolken hervor und dem entsprechend war die Laune der Fahrgäste. Bei der gemütlichen Fahrt durch unsere nähere Heimat trug auch Helmut mit seiner humorvollen Art dazu bei, dass die gute Laune auf hohem Niveau blieb. In dem Lokal hatte man einen schönen Blick auf die Talsperre, die Wirtsleute hatten sich auf den Ansturm vorbereitet und niemand brauchte sich über den Service zu beklagen. Schade, aber wir wollen im Herbst wieder etwas Neues erleben und uns eine andere Gegend ausschauen. Übrigens- für Vorschläge sind wir offen.
Peter Kettler
Aktuell 2016