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10 Jahre AWO im Landkreis, ein Gespräch mit den Gründern
Regina Albani,
Geschäftsführerin 1991 bis 1995
Hans- Günther Renger,
im Vorstand seit 1991
1. Vorsitzender
1996 bis 2006 und Gründer des e.V.
Peter Kettler,
Vorsitzender 1991-1996, seit 1996 2. Vorsitzender
seit 2006 amt. Vorsitzender
Wie alles begann

Renger: Eines Abends klingelte Gerhard Sondern bei mir zu Hause auf dem Sonnenstein. Er gehörte einer Gruppe aus unserer Partnerstadt Remscheid an, die sich bei einem Besuch Pirnas nach sozialen Einrichtungen umgesehen hatte, deren Träger die Arbeiterwohlfahrt sein könnte. Wenn es sie denn gäbe. Aber es gab sie nicht. Also klingelte er wie selbstverständlich bei mir, denn ich war Vorsitzender des Kreisverbandes der SDP, wie es damals hieß.
An allen runden Tischen, die es damals in den Kommunen und im Landkreis gab, rührte ich gemeinsam mit Dr. Wolfgang Schmelz, einem Arzt aus Bad-Gottleuba, sofort die Werbetrornmel. Oder besser gesagt: Wir meldeten uns lautstark als eine Kraft, die bei der Verteilung der Aufgaben der freien Wohlfahrtspflege zu berücksichtigen sei. Dank des Geistes der Runden Tische, dem damals Konkurrenzdenken noch fremd war, erhielt die noch gar nicht gegründete AWO auch hier ihre Chance.
Nachdem zwei größere Aschenbecher gefüllt und ein paar Biere getrunken waren, wußte ich, was "AWO" ist. Wir brauchten als Sozialdemokratie dringend einen strukturellen Halt, wie ihn andere politische Kräfte in Form der Diakonie, der Volkssolidarität usw, längst hatten. So war ich von dem Gedanken begeistert, hier die AWO ins Leben zu rufen.
Albani: Es war eine Zeit turbulenter politischer Entwicklungen und ungewöhnlicher Handlungsweisen. Hans-Günter hatte einige Genossen zu mir in den Garten gerufen. Zum Winterlagerfeuer. An diesem Abend stand fest, wer die benötigten sieben Mitglieder sein werden, die den Verein der Arbeiterwohlfahrt gründen konnten.

Renger: Und du hattest dich sofort bereit erklärt, den Vorsitz zu übernehmen.

Albani: Bis zur Gründungsversammlung am 18. Februar 1991 gab es viel zu tun. Neben der Erarbeitung einer Satzung und weiterer Papiere sowie der Herstellung des Kontaktes zum Notar galt es, weitere Begeisterte zu gewinnen. An diesem 18. jedenfalls gründeten wir am Tischerplatz in Pirna die Arbeiterwohlfahrt im Landkreis Pirna. Wir waren 16 Mitglieder.

Renger: Als erstes übernahmen wir den Bürgertreff KOMM auf dem Sonnenstein. Er war den Remscheider Freunden gleich als geeignetes Objekt ins Auge gefallen.
Albani: Dann ging es Schlag auf Schlag: Sozialstationen, Kindergärten. Dann die Betreuung der Asylbewerberheime.. Schnell erwarb sich die AWO bei den Bürgern und den Behörden das Vertrauen, gute soziale Arbeit leisten zu können.

Kettler: Damals war es mehr eine Ahnung als Gewissheit, dass sich die AWO als ein starker Partner für sozial Schwächere, für die von der Gesellschaft weniger beachteten Gruppen - zum Beispiel ältere Menschen - entwickeln würde. Mehr als heute gingen wir noch von dem Grundgedanken aus, "freie Wohlfahrtspflege" bedeute auch die freie Wahl der Felder, auf denen sich der jeweilige Träger engagiert. So war es ursprünglich, als sich neben der staatlichen die freie Wohlfahrtspflege etablierte, gedacht. Doch die Geschichte unseres Kreisverbandes, wie die aller freier Träger nach der Wende im Osten überhaupt, ist eine Geschichte finanzieller Abhängigkeiten und des Wettbewerbs, der zunehmend marktwirtschaftlich geprägt ist. Die Vision, dass die AWO schnell sehr viele Mitglieder gewinnen könne, die in ehrenamtlicherArbeit und finanzieller Hilfe engagiert sind, habe ich schnell aufgegeben.




Die AWO beginnt zu wirken

Albani: Mitte der 90er Jahre ging vom Landesverband die Initiative aus, Wirtschaftsunternehmen der freien Wohlfahrtspflege zu gründen.
So entstanden gemeinnützige Gesellschaften,GmbH` s. Darin sahen wir auch für die Einrichtungen unseres Kreisverhandes eine Chance.

Renger: Jedem von uns war es als Vorsitzendem oder Vorstandsmitglied unmöglich, große Unternehmen zu führen. Schließlich üben wir unsere Tätigkeit im Ehrenamt aus. Also wurden Geschäftsführer berufen und eingestellt.

Kettler: Obwohl der Kreisverband damit sein wirtschaftliches Rückrat verlor, war die Gründung der gGmbHs die einzig vernünftige Entscheidung. Die inhaltliche Arbeit des Verbandes konnte sich jetzt verstärkt der Arbeit mit den Mitgliedern zuwenden. So kam es zur Gründung von Ortsgruppen der AWO, die es bis dahin nicht gab. Zugleich liegt es in unserer Verantwortung, als Gesellschafter der AWO Sachsen Soziale Dienste gGmbH deren Geschäftsbetrieb zu kontrollieren.

Renger: An dieser Stelle muss auch gesagt werden, dass die AWO mit der Zäsur, die Mitte der 90er Jahre gesetzt wurde,
sozusagen "erwachsen" geworden war. Dazu zählt, dass vielen Mitarbeitern, die anfangs in ABM bei uns tätig waren, inzwischen ein fester Arbeitsplatz gesichert wurde, dass sich viele von ihnen beruflich qualifizieren konnten. Nun war die Stunde gekommen, dass möglichst aus den Reihen der AWO heraus fähige Geschäftsführer für die neuen Betriebe zu stellen waren.

Albani: In Karlheinz Friedrich Petersen sahen wir einen solchen Mann. Jahre zuvor hatte ich ihn als Geschäftsführer für unseren AWO-Kreisverband gewinnen können. Auch wieder eine der hübschen Geschichten, die sich in den zehn Jahren unseres Bestehens zugetragen haben: Ich kannte seine Mutter gut und traf ihn zusammen mit ihr zufällig in der Drogerie am Markt. Seine Mutter und ich unterhielten uns über meine Arbeit bei der AWO, er wurde neugierig - und bald unser Geschäftsführer.
Das war im Februar 1993. Weit mehr als acht Stunden am Tag kümmerte er sich viele Jahre um alle wirtschaflichen und organisatorischen Belange unseres Verbandes, aber auch um dessen Mitglieder.K:arlheinz hatte also den nötigen "Stallgeruch", als es 1995 zur Gründung der Unternehmen kam. So ist er seitdem Geschäftsführer (bis 2005, dann Landesgf.) der AWO Kinder- und Jugendhilfe gGmbH, die ihren Sitz in Pirna und Zweigniederlassungen in Dresden und Aue-Schwarzenberg hat.

Renger: Ich will noch einmal auf die beruflichen Chancen zurück kommen, die die AWO vielen geboten hat. Das betrifft nicht nur die Qualifizierung. Wenn "Hilfe zur Selbsthilfe" die Grundphilosophie der AWO ist, gilt das auch für ihre eigenen Mitarbeiter. Viele hatten die Chance, sich eigenständig ein Arbeitsgebiet aufzubauen, das gebraucht wird und Zukunft hat. Regina Albani ist dafür ein Beispiel. Sie konnte eine Ausbildung in Sozialmanagement und Schuldnerberatung absolvieren. Einen ähnlichen Weg ging Christel Ehrhardt. Beide sind heute anerkannte Schuldnerberater. Als einziger freier Träger im Landkreis betreibt die AWO ein solches "Kompetenzzentrum"
Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Sächsische Schweiz e.V.
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